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Gschichtln |
Beinahe Diretissima …
Am nächsten Morgen ging’s früh los.
Unser Hausrat war schnell verstaut, Marius versorgte uns noch mit Boerewors vom verunglückten Ochsen und wir verließen Camp Aussicht in Richtung Süden. Diese Zufahrt ist sogar mit normalen Autos zu schaffen. Gerade noch.
Bevor wir zur Straße kamen, konnten wir sehen, was Elefanten unter Landschaftsgestaltung verstehen. Ein „Twister“ im Mittelwesten der USA hinterlässt eine ähnliche Schneise im Gelände.
Unser Ziel für diesen Abend war das Camp von Russ und Martha Greeff in den Gobobosebbergen. Russ und Familie minen da im Basalt, für Quarzkristalle, Prehnit, Babingtonit, Analcim und Epidot. Über Palmwag, Twyfelfontein und Uis ist das eine leichte Tour. Zu leicht. Also fuhren wir eine andere Route. Die Sandpad, die von Opuwo nach Sesfontein führt ist tadellos. Am Joubertpass ist sie besser. Dort hat man 500 m asphaltiert, da die Steigung zu extrem war.
Man hat die Autowracks zwar abtransportiert, aber es gab viele davon.
Ich habe die Steigung bzw. das Gefälle zwar nicht vermessen, schätze es aber auf etwa 22-25 %. Hier macht es wirklich Sinn, maximal im 2ten Gang hinunterzufahren, denn kurz nach dem Ende der asphaltierten Strecke kreuzt man in einer engen Kurve das Flussbett. Am besten im Fußgängertempo. Die nächsten 10 km sind bloß kurvig, bis man in eine weite Ebene kommt.
Erster Stopp war Palmwag und es war gerade 9 Uhr. Und wir trinken kein Bier vor 9 …..
An der Kreuzung zur Torra-Bay beschlossen wir, eine Abkürzung durch den Skeleton-Coast-Nationalpark zu machen. Weder Heini noch ich hatten diesen Teil Namibias vorher gesehen und wir werden ihn wahrscheinlich nie wieder sehen.
Von der Kreuzung weg, bis zum Eingangstor zum Park wurde die Gegend immer trister und heißer. Die Straße war wunderbar gegrädert, flach und glatt, und wir näherten uns mit 120 km/h der Küste. Der Ranger, der unser Permit ausfüllte, sammelt Kugelschreiber. Heini hatte einen von einem unserer Ministerien mit Bundesadler und rot-weiß-roter Fahne. Ekstase pur. Der Ranger sprach auf einmal Deutsch, funkte das Gate im Süden an, um uns die Straßenverhältnisse mitteilen zu können und wäre vermutlich gerne mitgekommen. Beinahe verbrüdert, mussten wir uns verabschieden und von da an ging’s bergab. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Gelände fällt mit etwa 2 % ab, bis es die Küste erreicht. Und was für eine Küste. Links graue Dünen, rechts graue Dünen und in der Mitte eine schotterige Straße. Der starke Südostwind einer angesagten Kaltfront ließ maximal 80 km/h zu und als wir die Straße einmal verließen, um endlich zur Küste zu kommen, fühlten sich unsere nackten Waden und Knie ziemlich sandgestrahlt an.
Grauer Himmel über grauem Meer und grauen Dünen. Dazwischen ein paar hellgraue Walfischrippen. Es war grauenvoll.
Wir waren sehr froh, als wir das südliche Ende des Nationalparks verließen und wenigstens die Dünen wieder rotbraun wurden.
Von Andreas hatte ich gehört, dass man bei Meile 108 Salzkristalle finden kann. Nach kurzer Suche entdeckten wir den kleinen Baggersee. Der Südoster ließ die Wellen munter über den Salzweg, der sich am Rande gebildet hatte, plätschern. Wo aber waren die Kristalle? Richtig! Unter dem Weg.
Man kriecht auf allen Vieren und fühlt unter dem Weg, wo große Kristalle sind. Dieses Stück Weg wird dann mit dem Fäustel abgeschlagen. Eine einfache Übung. Speziell wenn der Wind das Wasser 3 bis 5 cm hoch auf den Weg treibt. Ich werde in den nächsten Jahren sicher keine Schuppenflechte bekommen, denn die Kur habe ich schon hinter mir.
Das größere Problem war, die nassen Salzkristalle vor dem windgeblasenen Sand zu schützen. Heini hatte einige Kartons an der Leeseite eines ausgebaggerten Schotterhaufens parat, wohin wir die fragilen Stufen verfrachteten. Mit Plastikfolie gut verpackt, verstauten wir unsere Funde im Auto und fuhren mit Rückenwind Richtung Brandberg-West. Vorsichtigst. Jede Querrinne und jeder Hügel in der Straße veranlasste meine Hände und Arme, das Lenkrad verkrampft zu umklammern. Bei der Abzweigung nach Uis fühlte sich mein Rücken wie ein Schildkrötenpanzer an.
Nachdem wir rechts abgebogen waren, schlängelte sich die Straße entlang der Gobobosebberge. Ich wusste nicht genau, wo die Abzweigung zum Camp von Russ und Martha war, da ich beim letzten Mal von der anderen Seite kam, und noch dazu von Andreas chauffiert wurde. Nach zwei Fehlversuchen beschloss ich, erst einmal nach Uis zu fahren, sah aber ein paar Kilometer später eine grüne Flasche auf einem Stock.
Da mir dieser Wegweiser bekannt vorkam, bog ich rechts ab und folgte einer der vielen Fahrspuren hangaufwärts. Mit dem Glück des Tüchtigen und einigen wenigen Leerkilometern trafen wir letztendlich in „Greeff-City“ ein. Russ hatte seit dem Vorjahr ein zweites großes Zeltgebäude errichtet und damit die Anzahl er Gebäude verdoppelt.
Beinahe schon eine Metropole (mit einem herrlichen Ausblick auf denBrandberg), die wir von Südwesten her erreichten, obwohl wir unsere Fahrt nördlich davon begonnen hatten.

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